11.10.2023

Interview mit Pastorin Lasch-Pittkowski anlässlich ihrer Verabschiedung

Das ganze Interview können sie hier lesen.

Fragen an Pastorin Christiana Lasch-Pittkowski:

•         Was haben Sie als Pastorin in Schleswig besonders gerne gemacht? Immer habe ich gern Gottesdienste im Dom gefeiert  – gepredigt, gebetet, gesungen und vor allem das Abendmahl eingesetzt und ausgeteilt, oft ist das ein sehr dichter Moment. Ich habe gerne Menschen in ihren Häusern besucht, aber auch gern Gespräche bei zufälligen Begegnungen auf der Straße geführt oder im Gemeindehaus – die Tür zu meinem Amtszimmer stand fast immer offen, nur nicht, wenn ich konzentriert eine Ansprache schreiben musste. Ich bin auch gern mit Stefanie Neustadt und Thomas Zahrnt gepilgert, die langen Wege habe ich in Erinnerung, von Schleswig an die Nord- oder Ostsee an mehreren Wochenenden. Das war immer eine Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, neue Kraft zu tanken, Menschen zu begegnen, über Probleme zu sprechen; und es war wunderbar, wie gastfreundlich wir in den Gemeinden empfangen wurden, in die wir auf unserem Weg kamen. Gerne habe ich auch Frauenreise organisiert und durchgeführt. In den Osten Deutschlands, auf den Spuren der Reformation oder nach Italien. Wir haben Luthers Taufkirche besucht, die Schlosskirche in Wittenberg, wo er die Thesen angeschlagen haben soll, wir haben in ehemaligen Klöstern gewohnt, haben die tolle soziale Arbeit der Waldenser, das sind die Protestanten in Italien, kennengelernt, die Antimafia-Arbeit in Palermo, haben deutsche Auslandsgemeinden in Italien besucht und vieles, vieles mehr. Jedesmal ist auf diesen Fahrten eine wunderbare Gemeinschaft gewachsen, manche Frauen habe sich danach ehrenamtlich in der Kirchengemeinde engagiert. Gern habe ich auch mit anderen zusammen Kirchenpädagogen und Domführer ausgebildet.

 

•         Welche Ereignisse waren in der Schleswiger Zeit prägend für Sie? Zunächst einmal war es für mich persönlich total wichtig, hier in Schleswig allein zu arbeiten. Mein Mann ist ja auch Pastor und wir haben uns 22 Jahre lang eine Stelle geteilt, in Hamburg und auf Sylt. Da konnte ich mich immer hinter ihm verstecken. Das ging jetzt nicht mehr und das war gut für mich. So habe ich mich noch mal ein ganzes Stück weiterentwickelt. Prägend war auch die Zeit der Domsanierung, die ich von der Planung über die Durchführung bis zur Nacharbeit begleitet habe. Ich freue mich, dass eine Lösung für die großen Feuchtigkeitsschäden am Turm und der Westwand des Kirchenschiffes gefunden wurde und dass auch der Innenraum durch das neue Beleuchtungskonzept, die neue Bestuhlung, den neuen Shop so schön geworden ist. Ich selbst habe mich in dieser Zeit zu einer Expertin für die Geschichte und die Ausstattung des Doms entwickelt. Ein ganz besonderes Erlebnis war für mich das 500-jährige-Jubiläum des Bordesholmer Altars, die Ausstellung im Dom, die Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde Bordesholm, die wissenschaftliche Tagung zum Altar und dass daraus ein wunderbare Buch entstanden ist, und die Folge, dass die ehrenamtlichen Domführerinnen und Domführer seitdem täglich eine 20-minütige Einführung in en Altar anbieten.

•         Wofür sind Sie dankbar? Für das Leseprojekt und die tolle  Zusammenarbeit zwischen Kirche und Schule und Schule mit Schulleiterin Gabi Roder und den Lehrkräften. Ich bin dankbar, dass Bischof Gothart Magaard sich so sehr für den Schleswiger Dom und seine Sanierung eingesetzt hat und für die große Zahl der Spenderinnen und Spender, die die Sanierung der Glasfenster und die Stühle finanziert haben so wie die Replik eines Renaissanceleuchters. Ich bin dankbar für die Ehrenamtlichen, die in St. Jürgen das Leseprojekt und das Cafe International tragen, für Magrit Jessen, die sich in der letzten Zeit darum gekümmert hat, dass wir immer schöne Blumen in St.Jürgen im und vor dem Gemeindehaus haben. Und für die Ehrenamtlichen am Dom und bei der Wochenschlussandacht. Es ist seit der Domsanierung ein tolles engagiertes Team rund um den Dom gewachsen. Es macht große Freude, mit ihnen zu arbeiten, Ideen zu entwickeln, Neues auszuprobieren. Dafür bin ich dankbar.

•         Was ist das Besondere an Ihrem Pfarrbezirk St. Jürgen? Als ich nach St. Jürgen kam, fand ich dort einige sehr engagierte Gemeindeglieder vor, die sich stark für den Erhalt des Gemeindehauses St. Jürgen eingesetzt hatten. Mit ihnen habe ich Gemeinde gebaut. Inzwischen ändert sich die Sozialstruktur des Stadtteils und eine Reihe der Wohnblocks sind stark in die Jahre gekommen, so dass inzwischen auch viele arme Familien in St. Jürgen wohnen und Menschen mit einem migrantischen Hintergrund. Eine Gruppe Ehrenamtlicher und ich haben deshalb das Café International ins Leben gerufen und haben dadurch Kontakte zu vielen Geflüchteten, besonders Frauen. Viele Kinder der Geflüchteten besuchen den Kinder-und Jugendtreff neben der Schule. Die Kirchengemeinde hat die Trägerschaft für diesen Treffpunkt. Es gibt jetzt ein Stadtteilentwicklungsprogramm für St. Jürgen, davon verspreche ich mir eine Verbesserung auf dem Wohnungsmarkt und mehr Möglichkeiten, sich im öffentlichen Raum zu treffen. Das ist bestimmt gut für den Zusammenhalt im Stadtteil. Besonders ist im Stadtteil auch, dass es hier mehrere Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen gibt, auch die Schleswiger Werkstätten. Ich habe zu diesen Einrichtungen gute Kontakte, habe zu Erntedank oder Weihnachten dort Andachten gehalten, auch mit Bewohnern Abendmahl gefeiert und viele Menschen aus diesen Einrichtungen beerdigt. Mir war es immer wichtig, diese Verstorbenen, die oft ein sehr schweres Leben hatten, noch einmal zu würdigen.

•         Welche Bibelstelle hat Sie begleitet? Nicht nur eine, sondern viele. Die Texte, die ich selber im Konfirmandenunterricht auswendig gelernt habe wie der 23. Psalm, und besonders die Bibelstellen, die ich im Chor gesungen habe, z.B. in den großen Oratorien, begleiten mich und fallen mir ein, wenn ich es brauche. Das geht von „Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst du mich“ (Psalm 138,7) bis zu „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2)

•         Haben Sie schon Pläne für Ihren Ruhestand? Bevor ich nach Schleswig gekommen bin, habe ich allein eine einwöchige Radtour gemacht. Ich bin von Hamburg die Elbe aufwärts gefahren und bin bis nach Wittenberg gekommen. Das hat mir damals sehr gut getan, weil ich meine Gedanken sortieren konnte und Neues entdeckt habe. Der November ist leider keine Zeit für Radtouren, darum werden mein Mann und ich für einige Wochen nach Süditalien fahren und auf dem Weg dahin Freunde besuchen. Aber die Radtour werde ich, wenn es wieder warm ist, nachholen. Außerdem werde ich kochen, Ausstellungen besuchen, Ausflüge machen, forschen, und ab den Sommerferien das Amt der Präsidentin des Rotary-Clubs Schleswig für ein Jahr übernehmen.

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